Regretting Motherhood – wenn Mutterschaft sich fremd anfühlt
- violacube
- 9. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Hinweis: Der folgende Text beschreibt eine fiktive, aber realitätsnahe Geschichte.
Er basiert auf Erfahrungen, die viele Mütter in ähnlicher Form schildern.
Ich fühle mich leer.
Als wäre ich nur noch eine Hülle.
Ich sehe mein Leben an mir vorbeiziehen und fühle mich fremd darin.
Fremd, weil ich einmal so viel Lebensdurst hatte.
Ein Leben, das sich richtig angefühlt hat
Ich hatte mir ein Leben aufgebaut, das zu mir passte. Ich bin gereist, habe mich selbstständig gemacht, war glücklich in meinem Job und in meiner Beziehung.
Und dann kamen sie, die Fragen von außen:
Ob ich keine Kinder wolle.
Ob ich nicht langsam sesshaft werden möchte.
Ich selbst habe diesen Wunsch nie verspürt.
Aber irgendwann stellte auch ich mir die Frage, ob ich es später bereuen könnte.
Wenn Zugehörigkeit schwindet
In meinem Umfeld bekamen nach und nach viele Kinder.
Gespräche veränderten sich.
Ich fühlte mich zunehmend ausgeschlossen.
Irgendwann war ich nur noch das Anhängsel.
Ich zog mich zurück.
Mit meinem Partner sprach ich viel über das Thema.
Er war offener für Kinder als ich, akzeptierte aber auch, dass ich diesen Wunsch nicht hatte.
Wir waren glücklich, auch ohne Kinder.
Eine Entscheidung ohne inneres Ja
Am Ende ließ ich mich doch darauf ein.
Ich mochte Kinder, hatte aber nie das Bedürfnis nach eigenen.
Ich dachte:
Wenn ich Kinder mag, wird sich der Wunsch einstellen.
Spätestens, wenn ich merke, dass etwas in mir wächst.
Die Schwangerschaft verlief problemlos.
Mir ging es körperlich gut.
Doch je näher die Geburt rückte, desto größer wurde die Unsicherheit.
War es die richtige Entscheidung?
Angst und Vorfreude lagen eng beieinander.
Liebe und trotzdem Bedauern
Meine Tochter ist jetzt ein Jahr alt.
Sie ist aufgeweckt, lebendig, liebenswert.
Und ja, ich liebe sie. Wirklich.
Aber manchmal reicht Liebe nicht aus.
Meine frühere Unsicherheit hat sich bestätigt.
Ich wollte keine Kinder.
Das war keine Phase.
Der Verlust von Freiheit und Identität
Ich habe alles aufgegeben, was mir wichtig war:
Meine Freiheit.
Das Gefühl, mich selbst verwirklichen zu können.
Ungebunden zu sein.
Ich fühle mich gefangen.
Ich merke, dass ich mich innerlich von meiner Tochter distanziere.
Unbewusst.
Und es tut mir weh.
Natürlich habe ich Schuldgefühle.
Aber ich kann es nicht einfach abstellen.
Wenn Beziehungen unter der Belastung leiden
Mein Partner unterstützt mich, so gut er kann.
Er versucht, mir Aufgaben abzunehmen.
Und trotzdem leidet unsere Beziehung.
Wir haben keine Großeltern oder ein unterstützendes Netzwerk.
Alles dreht sich um das Kind.
Sie ist immer da egal, was ich tue.
Dieses Gefühl von ständiger Präsenz überfordert mich zutiefst.
Gedanken, über die niemand spricht
Ich spiele mit dem Gedanken, mir Hilfe zu holen.
Denn ich denke oft:
Das kann doch nicht alles gewesen sein.
Ich schäme mich für manche Gedanken.
Dafür, dass ich mir manchmal wünsche, sie wäre nicht da.
Oder mir vorstelle, wie es wäre, wenn sie nicht aufwacht.
Ich will nicht, dass ihr etwas zustößt.
Aber diese Gedanken kommen.
Und genau dafür schäme ich mich am meisten.
Regretting Motherhood sichtbar machen
Diese Geschichte ist kein Einzelfall.
Sie ist ein Beispiel für das, was viele Mütter fühlen – und kaum jemand ausspricht.
Regretting Motherhood bedeutet nicht, das eigene Kind nicht zu lieben.
Es bedeutet, die Entscheidung für ein Leben als Mutter zu bereuen.
Beides kann gleichzeitig existieren.
Warum Begleitung so wichtig ist
Viele Frauen tragen diese Gefühle jahrelang allein.
Aus Angst, verurteilt zu werden.
Aus Scham.
Aus dem Glauben, sie müssten „damit klarkommen“.
Doch Regretting Motherhood ist kein persönliches Versagen.
Es ist ein innerer Konflikt, der Raum, Worte und Begleitung braucht.
Als psychologische Beraterin und systemische Coachin begleite ich Mütter,die genau diese Ambivalenz erleben, wertfrei, respektvoll und ohne schnelle Lösungen.
Manchmal ist der erste Schritt nicht, alles zu verändern.
Sondern endlich auszusprechen, was da ist.






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