Wenn deine eigene Kindheit in der Mutterschaft wieder lebendig wird
- 18. Feb.
- 3 Min. Lesezeit

Du hast in deiner Kindheit viel durchmachen müssen.
Vielleicht wurdest du nicht gesehen. Nicht aufgefangen.
Nicht beschützt.
Fürsorge war etwas, das andere Kinder bekommen haben aber nicht du.
Die Schulzeit war ein Albtraum.
Du wurdest geärgert, vielleicht gemobbt.
Vielleicht hast du sogar Rassismus erlebt.
Du warst allein mit deinen Gefühlen.
Allein mit deiner Angst.
Allein mit deiner Scham.
Irgendwann hast du für dich entschieden:
Ich möchte keine Kinder. Nicht, weil du etwas gegen Kinder hattest.
Sondern weil du Angst hattest.
Angst, keine bessere Mutter zu sein.Angst, nicht genug zu sein.
Angst, dass dein Kind das durchmachen muss, was du erlebt hast.
Und dann wurdest du doch Mutter
Du wurdest älter.
In deinem Umfeld bekamen alle Kinder.
Freunde, Geschwister, Kolleginnen.
Auch deine Eltern fragten immer wieder.
Und irgendwo in dir war dieser Gedanke:
Vielleicht schaffe ich es ja doch.
Vielleicht kommt die Liebe automatisch.
Vielleicht heilt es etwas in mir.
Du entscheidest dich für ein Kind.
Und dann bist du plötzlich Mama.
Und ja – du liebst dein Kind.
Tief. Echt. Bedingungslos.
Aber es ist nicht immer leicht.
Es gibt Momente, in denen dich Zweifel überrollen.
Momente, in denen du dich fragst, ob es die richtige Entscheidung war.
Momente, in denen du dir wünschst, diese Verantwortung nicht tragen zu müssen.
Und sofort kommt die Scham.
Wenn alte Wunden wieder aufreißen
Dann kommt der Tag, vor dem du dich unbewusst immer gefürchtet hast.
Dein Kind wird in der Schule geärgert.
Vielleicht sogar gemobbt.
Und plötzlich bist du nicht mehr nur Mutter.
Du bist wieder das Kind von damals.
Du siehst dich selbst.
Deine Hilflosigkeit.
Deine Einsamkeit.
Alte Gefühle brechen auf – mit voller Wucht.
Und nun stehst du da und fragst dich:
Wie begleite ich mein Kind liebevoll, wenn ich selbst nie liebevoll begleitet wurde?
Wie bleibe ich ruhig, wenn in mir Panik aufsteigt?
Wie stärke ich mein Kind, wenn mein eigenes inneres Kind gerade weint?
Das ist kein Versagen – das ist ein Trigger
Was hier passiert, ist kein Zeichen dafür, dass du eine schlechte Mutter bist.
Es ist ein psychologischer Trigger.
Unerlebte, unverarbeitete Erfahrungen aus der eigenen Kindheitwerden in der Mutterschaft oft wieder aktiviert.
Besonders dann, wenn das eigene Kind in ähnliche Situationen gerät.
Dein Nervensystem reagiert nicht nur auf das Hier und Jetzt.
Es reagiert auf das Damals.
Und das fühlt sich überwältigend an.
Wenn Reuegefühle zurückkommen
Vielleicht kennst du dieses Gefühl:
Der Wunsch, dich zurückzuziehen.
Die Verantwortung abgeben zu wollen.
Nicht mehr die Starke sein zu müssen.
Und vielleicht schämst du dich dafür.
Du denkst:
Mit mir stimmt etwas nicht.
Ich dürfte so nicht fühlen.
Aber nichts davon ist wahr.
Deine Gefühle ergeben Sinn.
Sie haben eine Geschichte.
Und diese Geschichte kennt niemand außer dir.
Mutter sein mit eigener Verletzung
Viele Mütter tragen ihre Kindheit mit in die Mutterschaft.
Manche bewusst.
Viele unbewusst.
Die Mutterschaft wirkt wie ein Verstärker.
Sie bringt das an die Oberfläche, was lange still war.
Das ist schmerzhaft.
Aber es ist auch eine Chance.
Nicht, um alles perfekt zu machen.
Sondern um bewusst hinzusehen.
Du musst das nicht allein schaffen
Sich Hilfe zu holen bedeutet nicht, dass du versagt hast.
Es bedeutet, dass du Verantwortung übernimmst, für dich und für dein Kind.
Die eigene Geschichte aufzuarbeiten, zu verstehen, warum bestimmte Situationen dich so stark treffen,einen neuen Umgang mit deinen Gefühlen zu finden, das ist kein Zeichen von Schwäche.
Es ist ein Akt von Fürsorge.
Und vielleicht der erste Schritt,den Kreislauf zu durchbrechen.
Du bist nicht falsch.
Du bist nicht kaputt.
Du bist eine Mutter mit einer Geschichte.
Und du darfst Unterstützung bekommen.






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